Die Allgemeine Ortskrankenkasse
in der Köpenicker Straße 80-82

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damals...

aus einem Text von 1912


AOK Ansicht Köpenicker Straße
Das Gebäude der Allgemeinen Ortskrankenkasse, Berlin, Köpenicker Straße (Nr.80 - 82)   Arch. B.D.A. Herny Gross



Das gut proportionierte und bemerkenswerte Gebäude der Allgemeinen Ortskrankenkasse in der Köpenicker Straße ist ein Werk des Architekten Henry Gross.
Die mit Tüffstein verkleidete Strassenfront mit dem modernen Ladenausbau und der kräftigen Vertikalentwicklung zeigt Messelsche Züge und charakterisiert das Vorderhaus als Geschäftshaus. Die resolute Durchschneidung der senkrechten Gliederung mittels des breiten balkenartigen Frieses in der Höhe der dritten Etage ist eine überaus glückliche Variante. Sie bedingte natürlich die Fortführung einzelner Pfeilergruppen in die kräftige Konstruktion der Dachfenster.

Sehr hübsch ist in der dritten Etage das Einrücken der erkerartigen beiden Fenster als korrespondierende Antithese zu den vorspringenden Erkern im ersten und zweiten Obergeschoss.
Der spärliche aber sehr organische und gut modellierte schöne Bildschmuck stammt von Fritz Heinrichs, Templin.

Die Einfahrt des stattlichen monumentalen Hauses hätte sich vielleicht noch etwas imposanter gestalten lassen.

Die Empfangs-, Abfertigungs- und Bureauräume der Ortskrankenkasse sind im Parterre und in der ersten Etage des Hinterhauses untergebracht, zu dem man über einen geräumigen mit Mutzglasur verblendeten Hof gelangt.

Zugang und Abgang liegen in den Seitenflügeln des Gebäudes durch die je eine mit Springbrunnen und Bassin augestattete Vorhalle. Sämtliche Betriebsräume der Kasse, schlicht gehalten, sind mit Fliesen ausgelegt.

Hinter den im Bogen angeordneten Schaltern springt ein mit 145 Quadratmeter Glasbedachung versehener Raum in den zweiten Hof vor.

Dieser Raum, zu dessen Anlage ein besonderer Dispens eingeholt werden musste, dient Bureauzwecken. Ein weiterer Dispens war erforderlich zur Vermeidung eines im Nivau gelegenen Durchganges nach den zweiten Hof. Man hat sich mit zwei seitlich durch den Keller führenden Duchgängen geholfen.

Text von 1912 S.1
Text von 1912 S.3
Text von 1912 S.4
Haupteingang in der Köpenicker Strasse
Detail der Mittelpartie mit den Haupteingängen. Die Strassenfront ist mit Tüffstein verkleidet.
Arch. B.D.A. Henry Gross, Plastik von Bildhauer Fritz Heinrichs, Templin

Treppenhauspodest Fahrstuhlummantelung
Ausbildung des Treppenhauspodestes                                  Geschmackvolle Fahrstuhlummantelung

Sitzungszimmer
Sitzungszimmer der Allgemeinen Ortskrankenkasse in der Köpenicker Straße

Hofansicht AOK in der Köpenicker Straße
Ansicht des Hofes der Allgemeinen Ortskrankenkasse, in Putz und Klinkerverblendung ausgeführt

Längsschnitt des AOK Gebäudes
Längsschnitt durch das Gebäude der Ortskrankenkasse mit Ansicht des Hofes

Allgemeine Ortskrankenkasse Köpenicker Straße 80


 

Das Luisenstädtische Heimatbuch berichtet 1927:



11.Bei der Ortskrankenkasse


Unweit des Mamorstandbildes von Schulze-Delitzsch, des Schöpfers des deutschen Genossenschaftswesens, erhebt sich Cöpenicker Straße 80/82 ein modernes Sandsteingebäude, das im Jahre 1912 von der "Allgemeinen Ortskrankenkasse zu Berlin" errichtet und zu einem Mittelpunkt des Berliner Krankenversicherungswesens ausgestaltet wurde.

Ein großer Wegweiser im Toreingange unterrichtet uns über die verschiedenen Verwaltungszweige, die hier in diesem stattlichen Häuserblock ihre Unterkunft gefunden haben. Es ist die Zentralstelle für das Rechnungs= und Kassenbwesens, während sich das Hauptverwaltungsgebäude in der Klosterstraße 71/72 befindet.

Durchschreiten wir die zahlreichen kleinen und großen Arbeitsräume, in denen 250-300 Angestellte beschäftigt werden, so erkennen wir sofort den gewaltigen Umfang von Verwaltungsaufgaben, die hiertäglich zu erledigen sind. Die Allgemeine Ortskrankenkasse ist die größte Sozialversicherung Deutschlands.

Ihre Zuständigkeit erstreckt sich nicht nur auf den Bereich der Luisenstadt, sondern umfaßt alle Arbeitergeber von Alt-berlin, die infolge gesetzlicher Bestimmungen nicht einer besonderen oder einer Betriebs- oder Innungskrankenkasse angehören müssen. Die Zahl der Arbeitgeber beläuft sich zurzeit auf 85 000.
Da aber die große Arbeiter= und Angestelltenschar in den Arbeitsstätten des Zuständigkeitsbereiches aus der ganz Groß=Berlin und dessen weiteren Vororten zusammenströmt, so geht auch der Wirkungskreis der Ortskrankenkasse über die engeren Grenzen der inneren Stadtgemeinde weit hinaus.

Die Zahl der Versicherten beträgt gegenwärtig 460 000 . Doch ist die Mitgliederzahl dauernden Schwankungen unterworfen, die infolge wirtschaftlicher Verhältnisse, besonders beim Wochenschluß sowie bei Monats und Quartalswechsel stark in Erscheinung treten.

Von der hohen sozialen Bedeutung der Kasse gewinnen wir ungefähr ein Bild, wenn wir uns die recht beträchtlichen Summen vor Augen führen, die im Laufe des Jahres 1924 für Kassenmitglieder aufgewendet wurden.

Es wurden verausgabt für:

Ärztliche Hilfe 6 428 376
Zahnpflege 1 218 502
Arzneimittel 2 659 015
Krankenhauspflege 4 017 163
Krankengeld 9 744 936
Wochenhilfe 556 300
Sterbegeld 410 426
Familienfürsorge
(für nichtversicherte Familienangehörige)
1 190 800

Die Kassenbeträge beliefen sich in dem gleichen Zeitraum auf M 34 193 664 .

Mit den Krankenkassenbeiträgen wurden gleichzeitig M 6 301 679 Beiträge für die Erwerbslosenfürsorge eingezogen, die aber von der Ortskrankenkasse sofort an das Landesarbeitsamt abgeführt werden müssen, so daß also der Krankenkasse in diesem Falle nur eine Vermittlertätigkeit zufällt.

Ist das Bestreben der Krankenkasse in erster Linie auf die Wiederherstellung der Arbeitskraft ihrer Mitglieder gerichtet, so nehmen doch die andererseits auch vorbeugenden Maßnahmen, die der Gesunderhaltung und der Kräftigung der Versicherten dienen, einen breiten Raum in der Fürsorgetätigkeit der Ortskrankenkasse ein.

Nicht unbeträchtliche Mittel werden jährlich für Heil Anstalten, Genesungs- und Erholungsheime aufgewandt x).

In richtiger Erkenntnis der Verwertung der Jugendwohlfahrt ist die Kasse seit Jahresfrist auch zur Errichtung von Kinderheilstätten ²) geschritten, in denen kränklichen und schwächlichen Kindern im Alter von 7 - 16 Jahren ein unentgeltlicher Aufenthalt gewährt wird.

Bei reichlicher und kräftiger Kost tummeln sich die Pfleglinge hier in frischer , würziger Waldluft und in ungezwungener Jugendluft. Mit gebräunten Gesichtern und vollen Wangen kehren sie dann nach 4-6 Wochen heim, innerlich hochbeglückt von all dem Schönen, das sie genossen.

x)Lungenheilstätte Müllrose, Moorbad Doberan (Mecklenburg), Herzheilsanatorium Kudowa (Glatzer Gebirge), Frauengenesungsheime Buckow (Märkische Schweiz), Flinsberg (Isergebirge), Groß Tabarz (Thüringen), Männer-Erholungsheim ...

²) Luisenthal bei Oberhof, Georgenthal und Kuhfelde (Thürigen).

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