Die Köpenicker Straße Nr. 55

in Berlin Mitte



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damals...

Leihhaus Vogler, D. ; Köpenicker Straße 55a

1878

Drehlotto - Das Spiel war auch bei U.Sahlmon in der Köpnickerstraße 55b zu beziehen.

Atelier WendlandKoepenicker Straße 55b
von 1880 bis 1889 befand sich das Photoatelier August Wendland in der Köpenicker Straße 55b
Aber schon 1870 befand sich das Atelier an der Fischerbrücke 5. Aus dieser Zeit stammt diese Aufnahme.

Um 1900 befand sich hier die Fabrik zur Stahlverarbeitung Henry Pels:
Köpenicker Straße 55
Stahlverarbeitung Henry Pels
Eine Schere für Stahlträger

Auch 1900 wurde die jüdische Firma von
"Julius Falckenstein" Papier und Pappen en gros
gegründet.
Das Unternehmen wurde 1938 liquidiert.

später:

Köpenicker Straße 55
Film Kostüm Haus Willi Ernst (Nr.55b)
Größte Theater und Masken-Garderobe

Briefkopf Fabrik von Treibriemen
Siegfried Reiche jun.;    1917
Maschinenöl Import; Fabrik von Treibriemen und techn. Bedarfsartikeln
Cöpenickerstrasse. 127
(Text auf der linken Seite: Nationalbank für Deutschland; Depositenkasse Cöpenicker Straße 55)

Die Auswahl
SO 16; Köpenicker Strasse 55
findet sich im Telefonbuch 1941

Willi Sauer Maschinenfabrik
Willi Sauer,   Maschinenfabrik
Köpenicker Straße 55
Eckardt, Agnes
Hebammenschwest.
SO 16, Köpenicker Str. 55a
(1941)

Gesundes Leben
SO 16, Köpenicker Str. 55
(1941)

Kunert, Curt
Melkerei
SO 16, Köpenicker Str. 55a
(1941)

Michael, Hermann
Gastwirt
SO 16, Köpenicker Str. 55a
(1941)

Sauer, Willi
Werkzeugmaschinen
Köpenicker Str. 55
Ders. Rummelsburg Hauptstr. 1
(1941)

Schaudienst Kurt Stick
SO 16, Köpenicker Str. 55
(1941)

Vogler, Otto
Leihhs.
SO 16, Köpenicker Str. 55
(1941)


Die hier ansässige Firma Schuchard, Ferdinand - Berliner Fernsprech- und Telegraphenwerk (Kr=Schuchardt, Ferdinand, gleiche Adresse) Mitte Köpenicker Str. 55 beschäftigte im zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiter, die in einem Barackenlager in der Lohmühlenstraße untergebracht wurden.

Die Firma stellte Fernsprecher für die faschistische Wehrmacht her.

Auf einer Aktie der Firma ist die Fabrik abgebildet (kriegszerstört).
Die Firma wurde 1886 gegründet und zog 1928 in die Köpenicker Straße 55.
1944 wurde die drei Höfe umfassende Fabrikanlage durch Bomben zerstört.


Auch die Firma Gebhardt, Paul & Söhne Mechanische Werkstatt Mitte Köpenicker Str. 55 beschäftigte im zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiter und stellte Rüstungsgüter her.

In der Köpenicker Straße 55a im IV.Stock wohnte Paul Schauerhammer, Hauptgeschäftsführer der Kartonagenfabrik in der Alten Jacobstraße, den das FBI als Kontaktperson Albert Einsteins ermittelte, weil den Amis dessen politische Einstellungen nicht passten.
Einstein war vor den Faschisten in die USA geflohen, als "Jude" ist ihm nachträglich seine deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt (wie auch seiner zu der Zeit bereits verstorbenen Frau) und das Vermögen Albert Einsteins beschlagnahmt worden (wie das seiner bereits verstorbenen Frau und 30 weiteren Familienangehörigen).


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Platte Köpenicker Straße 55
Umkleidekabinen für Bauarbeiter und Bürogebäude, wahrscheinlich 1970 erbaut, ein Gutachten zum Gebiet gibt als Baujahr 1988/1989 an.
Hier ein Bild, wo am Gebäude das Baustellenschild für das HochtiefCampus in der Köpenicker Straße 54 befestigt ist,
während die obere Plane das Gebäude zum Verkauf anbietet.(ca. 2013)

Im Krieg wurden viele Gebäude im Block zwischen Michelkirchstrasse, Köpenicker Straße und Schillingbrücke zerstört.
Zu DDR - Zeiten wurde der im Grenzgebiet liegende Bereich mit seinen vielen Brachen als Fläche für Baubetriebe genutzt.

Nach dem Ende der DDR wurden die volkseigenen Betriebe privatisiert und von der Treuhand(TLG) veräußert.
Die in diesem Bereich existierenden Betriebe wurden vom Hochtief Konzern übernommen. So gelangte der Konzern an riesige Flächen in diesem Block.
Die Betriebe wurden von der Treuhand nach Gewinnerwartung der Betriebe veräußert. Der Immobilienwert oder die Werte im Betrieb spielten dabei keine Rolle.

Die Übernahme von Mehrheiten von Aktien durch einen spanischen Investor zwang den Konzern wiederum zur Veräußerung dieser Immobilien in den 2010er Jahren.

2017 wurde das Gebäude zu Microappartments mit Macropreisen umgebaut.


2017 - aus einer Zeitung:
Berliner Betongold: Smarter Wohnen in Micro-Apartments
Der immer krudere Berliner Immobilienmarkt erzählt auch viel von sozialen Kluften.


Köpenicker Straße 55, ein DDR-Plattenbau, schmaler als die üblichen WBS70-Platten – denn dieses Haus war ursprünglich nur für kleine Bürozimmerchen einer Baukombinatsverwaltung geplant.
Als vor zwei Jahren die Käufer und Investoren dieser Immobilie verkündeten, sie wollten aus dem inzwischen leerstehenden Bürobau Wohnungen machen, schüttelten viele ungläubig den Kopf.
Aber es ist so geschehen, und die Verwaltung hatte keine rechtlichen Möglichkeiten, das zu verhindern. Schließlich wäre ja zunächst auch – angesichts der Wohnungsnot – nichts dagegen einzuwenden, dass Büros zu Wohnungen umgebaut werden.
Doch zu welchen Bedingungen?
Das Haus ist inzwischen fertig, die „Herbert+Kohlmeyer Immobilien GmbH“ bietet jetzt hier sogenannte „Micro-Apartments“ zum Kauf an: 121 Karnickelställe haben sie aus dem Haus geschnitzt, zwischen 25 und 40 Quadratmetern groß, zwei bis drei (!) Zimmer, mit Mini-Küchenzeile und Duschzelle, dafür aber auch mit angebautem Balkon – denn der schraubt den Preis nochmal hoch. Das Ganze heißt dann „Smarter Apartments“.
Beim Lesen des Maklerprospekts kann einem schon ziemlich übel werden.
Die Rede ist von „121 kompakten Stadtwohnungen als Single- oder Familienapartments in zentraler Lage mit Aufzug, Balkon, EBK und Wasch-Lounge, möbliert und mit Medienanschlusspaket“. Es gibt also tatsächlich eine TV- und eine Internetverbindung sowie eine Kochecke für jede Wohnung und einen Fahrstuhl im Achtgeschosser. Was für ein Wahnsinnsluxus.
Diese Wohnungen werden verkauft. Man kann beispielsweise eine 29 Quadratmeter große Zweizimmerwohnung im Erdgeschoss, direkt an der schönen, beschaulichen Köpenicker Straße für ca. 200.000 Euro erwerben. Das sind schlappe 6900 Euro pro Quadratmeter, oben im achten Stock werden es sogar 7.660 Euro. Dafür kriegt man auch eine Möblierung „entsprechend des skandinavisch inspirierten Entwurfs der internationalen Designerin Helena Willemeit“ sowie – man staune – „Fernwärmeanschluss, nutzungsoptimiert installierte Steckdosen, stilvolles Echtholzparkett“. Und einen Balkon in „bester zentraler Lage“ an der Köpenicker Straße, wo tagsüber die Laster entlangdonnern und abends und nachts Hostelbesucher und Clubszene für Unterhaltung sorgen. Denn mit dem Direktanschluss zu U- und S-Bahn sowie zur aufregenden Clubszene im Umfeld wird im Verkaufsexposé auch geworben.
Smarter geht’s nicht: Ein umgebautes, ehemaliges Plattenbaubüro an einer hochfrequentierten Hauptstraße mit gutgelaunten nächtlichen Partygängern vor der Tür. Welche Familie fühlt sich da nicht verlockt, sofort zuzuschlagen, um für nicht mal 7000 Euro/qm im Erdgeschoss (!) sehr kuschelig auf 29 Quadratmetern zu leben. Pflegeleicht ist das Ganze auch noch, denn mehr als Bett und Schrank, Tisch und Stuhl passen eh nicht in die Hütte.

Es kommt aber noch besser: Der Makler wirbt auch noch mit der steuerlichen Sonderabschreibung im Sanierungsgebiet – und: „Der Verkäufer garantiert im Falle des Erwerbs eines möblierten Apartments über einen Zeitraum von 5 Jahren eine Bruttorendite von 4%, bezogen auf die erzielte Jahresnettokaltmiete im Verhältnis zum Kaufpreis.“
Rechnet man das mal durch, ergibt sich folgendes Szenario: Sie investieren in Berliner Betongold, zu einem Preis, der noch vor fünf Jahren selbst für die allerfeinsten Altbauwohnungen in allerfeinsten städtischen Lagen utopisch hoch gewesen wäre. Das wäre eine Wertanlage. Vielleicht für reiche Eltern, die ihrem Sprössling buchstäblich um jeden Preis eine Studentenwohnung in der ach so hippen Metropole besorgen möchten. Dafür könnten sie den Karnickelstall dann auch später vermieten (lassen) – aber nur für mindestens 30 Euro pro Quadratmeter nettokalt, denn sonst gibt es keine Rendite. Und das funktioniert eigentlich nur noch bei Kurzzeitvermietungen als Ferienwohnung, denen Berlin eigentlich den Kampf angesagt hat, weil sie dauerhaft Wohnungen dem Mietmarkt entziehen.
Man könnte das alles absurd finden – aber es geschieht inzwischen überall in der Berliner Innenstadt: ob in Moabit, in Wedding, Alt-Mitte, Neukölln, Friedrichshain, Kreuzberg. Überall werden solche Karnickelställe gezimmert und als vollkommen überteuerte „Apartments“ für Studenten, Singles oder Leute, die einfach ihr Geld irgendwo anlegen wollen, angeboten. Unter Investoren herrscht eine euphorische Goldgräberstimmung, und warum auch nicht – schließlich steigen die Berliner Wohnungs- und Grundstückspreise weiterhin.

Es geht aber noch extremer.
Direkt neben der Köpenicker Straße 55, auf dem Grundstück Nr. 56/57, existierte bislang ein privat betriebenes Wohnheim für Obdachlose.
Damit konnte man auch schon ganz gut Geld machen, weil die Stadt zahlte. Hier will aber nun der Eigentümer etwas Schickeres und Lukrativeres bauen: untenrum Gewerbeeinheiten, obendrüber Luxuslofts.
Die Sanierungsverwaltung des Bezirks Mitte will oder kann dem nichts entgegensetzen – schließlich seien die Belichtungsverhältnisse ohnehin übel, und es handelt sich um ein ehemaliges Fabrikgebäude.
Was mit den Ärmsten der Armen geschieht, die hier wenigstens eine Unterkunft hatten, wenn auch bei „unzureichenden Belichtungsverhältnissen“, wie Berlin das schon seit 1850 kennt – man weiß es nicht. Dafür wird es künftig luxuriöse Ein-Raum-Wohnlofts geben, so um die 140 Quadratmeter. Das wird sicher eine prima Nachbarschaft zu den luxuriös teuren Karnickelställen nebenan. Und die Wohnungslosen schlafen dann unter den Balkons auf der Straße.
Ist ja auch so was wie ein Dach über dem Kopf.

Im Stella Palast wurde 1932 gesungen; 1,50 im Quadrat. Wir zahlen keine Miete mehr. Allerdings wollte man hinten ein Gärtchen für Spinat und Kopfsalat.

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