Die Köpenicker Straße Nr. 34
in Berlin Mitte


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damals...

1932/33 macht die Adresse Schlagzeilen, als sich Mieter gegen zu hohe Mieten und schlechte Wohnverhältnisse wehren.

Mieterstreik

Foto: Bundesarchiv

Lizenz Attribution: Bundesarchiv, Bild 146-1970-050-13 / CC-BY-SA-3.0-DE

Erst Essen, dann Miete!!

war das Motto der Mieterbewegung die nicht unwesentlich von den Mietern der Köpenicker Straße 34 bis 35 organisiert wurde. Das Grundstück war zu der Zeit Eigentum der Stadt.

Hier wohnte der Bankkaufmann Adolf Wiegel, der eine Buchbinderei und Druckerei, in der Köpenicker Straße 115 besaß.
Er und seine Frau Frieda sowie weitere Angehörige der Firma unterstützten die jüdischen Zwangsarbeiter der Firma.
Für eine jüdische Widerstandsgruppe wurden falsche Pässe gedruckt.

Adolf Wiegel und seine Frau wurden am 12. April 1944 von der Gestapo verhaftet und in ein "Arbeitserziehungslager" in die Wuhlheide verbracht.

Auf dem Todesmarsch zur Verlegung des Lagers ins Konzentrationslager Dachau wurde Adolf Wiegel am 8.April 1945 bei Sonneberg von der SS erschossen.

Adolf und Frieda Wiegel werden 2005 von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem als
"Gerechte unter den Völkern" geehrt.

Köpenicker Straße 34
Bild (1969) mit einem Teil des Hauses Köpenicker Straße 34 ganz rechts,
Köpenicker Straße 39,Fernsehturm,Schornstein vom Heizkraftwerk,
Straßenbahnschinen
Schornstein vom Postfuhramt und
Köpenicker Straße 137
Ach ja, die Panzersperren im Vordergrund verhinderten damals Eigentumskonflikte.



Heute (Stand 2015) ist das Grundstück noch unbebaut, noch kurioser ist, das die Nummer dieses einst Stadteigenen Grundstücks garnicht mehr existiert.


Links:
Mieterecho(PDF)April 2014:  Erst Essen, dann Miete

BerlinStreet: "Die Mieter der Köpenicker Str. 34/35 begannen am 1. September ebenfalls zu streiken und verwandelten das ganze Haus in eine einzige Kampfburg. "


Geschichte eines Mieterstreiks


Eines Morgens um sechs – die Jungens kamen vom Zeitungsaustragen -
Hielt vor der grauen Mietskaserne ein Plattenwagen.
In der Haustüre standen zwei Polizisten und ein Mann vom Gericht,
Die gingen drei Treppen hinauf und klopften. Man öffnete nicht.

Der Schlosser kam und brach auf. Das ganze Treppenhaus roch nach Gas.
Menschen kamen und schnupperten. Sahen sich an. Keiner sagte etwas.
Ein Schupo kam wieder herunter und hustete: »Is was passiert?« -
»Exmittieren wird nicht mehr nötig sein! Sind schon krepiert!«

Die Tage darauf war es stiller: gedämpfter Zank und Geschrei;
Wenn einer mit dem Verwalter Krach hatte, liefen sie alle herbei.
Und eines Abends brüllte einer durchs ganze Haus:
»Hört mal zu! Morgen früh schmeißen sie im dritten Hof einen raus!«

Am nächsten Morgen waren schon alle Hausflure und Treppen besetzt.
Die Polizisten kamen und der Mann vom Gericht: »Wer hat euch hier aufgehetzt?«
Ein alter Mann trat vor und sagte: »Wollen Sie’s probieren?
Gegen uns alle? Wir lassen hier keinen mehr exmittieren!«

Um neune gingen die Polizisten. Der Wagen fuhr leer wieder weg.
Ein Mann rief hinterher: »Nich wiederkommen! Hat doch keinen Zweck!«
Im Hof stieg einer auf den Müllkasten und sprach: »Das ist euch doch klar,
Mit der Einigkeit ist allerhand zu erreichen, nich wahr?«

Am Tage darauf kamen alle zusammen im Hof Nummer vier.
Und der alte Mann stieg auf den Müllkasten und schwang ein Papier.
»Arbeiter, hier hab ich einen Brief an den Wirt geschrieben. Hört her!
Wir zahlen bloß noch die halbe Miete. Wir können nicht mehr!«

Auf diesen Brief war vom Wirt ein kurzer Bescheid gekommen:
Er verhandle nicht, er hätte gerichtliche Schritte unternommen.
Und wieder versammelten sie sich. »Der kann doch bei uns nicht landen!«
Wir zahlen jetzt überhaupt nicht mehr. Wir streiken! Verstanden?«

Der Hauswirt setzte Gericht und Polizei in Bewegung.
Der Verwalter rannte von Tür zu Tür, rot vor Erregung.
War alles umsonst. Keiner zahlte. Da kam ein Schreiben:
»Mieten um fünfzig Prozent gesenkt. Rückstände nicht mehr einzutreiben!«

Und wieder versammelten sich alle. Da sagte der alte Mann:
»Das war der erste Erfolg. Es kommt nur auf die Einigkeit an!
Und das gilt überall, nicht bloß beim Kampf um Kammer und Küche!
Gegen unsere Geschlossenheit geht jede Macht in die Brüche.«

Erich Weinert, 1932

In der Köpenicker Straße 34 befand sich eine Zwangsarbeiterunterkunft der AEG Treptow



Der zweite Band "Mit dem Rücken zur Wand" von Klaus Kordons Romantrilogie "Der Wendepunkt" verwendet als Titelbild und die erste Doppelseite den Mieterstreik auf dem Hof.
ISBN: 3-407-78922-X,  Verlag: Beltz und Gelberg , Weinheim; Einband: Paperback; Seitenzahl: 464; Erscheinungsjahr: 2003; Preis: 9,95 Euro; Anmerkungen: ab 12 Jahre; Status: lieferbar
Kurzbeschreibung:
Berlin 1932/33. Wohnungselend und Arbeitslosigkeit haben ihren Höhepunkt erreicht. Die Weimarer Republik geht ihrem Ende entgegen, die Nationalsozialisten übernehmen die Macht. In dieser Zeit lebt Hans Gebhardt, fünfzehn Jahre alt.
Die politischen Auseinandersetzungen spiegeln sich auch in seiner Familie wider.
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